Weimar, feuchter Traum jedes Oberstudienrats, der sein Ciabatta mit Olivengeschmack als Geschichtslehrer verdient. Da atmen die Pflastersteine mehr Historie als ein Grass-Roman. Weimarer Klassik, Weimarer Republik, Goethe, Schiller, Richard Wagner, Bauhaus: alles da. Buchenwald liegt übrigens auch gleich ums Eck, davon soll man aber nicht allzuviel sehen, bloß einen Kirchturm auf einem Hügel in der Ferne. Hinter dem Hügel lag Buchenwald. Nach der Befreiung haben die Sowjets das Lager genutzt, bis 1950.
Weimars Bevölkerung besteht zu 30% aus Studenten, 25% sind Rentner, 20% Schulklassen auf Studienreise und 25% Statuen. Die Studenten studieren alle irgendwas mit Medien oder Architektur und machen später irgendwas mit Medien oder Architektur. Die Stadt ist dermaßen sauber, auf manchen Wänden möchte man Mittagessen. Das letzte Mal hatte ich spontan das Bedürfnis, vor dem Betreten des Marktplatzes die Schuhe auszuziehen, um keinen Dreck zu machen. Kurzum: Weimar erinnert wie jede andere geschichtsträchtige Kleinstadt an jede andere geschichtsträchtige Kleinstadt in Deutschland, bloß ein bisschen mehr. [Spreeblick]