Archive for the 'Gesellschaft' Category


Menschengschlecht, 0

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Und tatsächlich gibt es derzeit auch ein paar andere neue deutsche Filme, die leicht anstrengende, ulkige, aber hochinteressante Einblicke geben in die Sitten und Gebräuche einer Generation, die nicht bloß das Berufs-, sondern auch das Liebesleben als eine Art Dauerpraktikum zu begreifen scheint. Willkommen also im mittelschweren Beziehungselend der leicht Verunsicherten und Halbbefriedigten, im Sudelbad der lauwarmen Gefühle, bei den Sex- und Kuschel-Ekstasen eines Menschengeschlechts, das zwar den Zweifel kennt, aber nicht die Verzweiflung.

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"Neon" hat es geschafft, mit gefühligen Gebrauchsanweisungen fürs tägliche Überleben so etwas wie das Zentralorgan des jungen deutschen Gefühlsprekariats zu werden. Hier finden angehende und längst nicht mehr angehende Erwachsene, die um keinen Preis erwachsen werden wollen, Rat und Trost und viele Fragezeichen für alle Beziehungslagen.

In der Juni-Ausgabe von "Neon" erfährt man beispielsweise, dass Alleinsein auf Dauer gar nicht gut ist, denn "Einsamkeit ist wie Eisspray für die Seele". Mit der Suche nach Freunden ist es allerdings auch vertrackt, weil längst durch Fernsehserien ein "mediales Idealbild" entstanden sei, das "unsere Anspruchshaltung gegenüber dem Sozialapparat" steigere und das Gefühl des Verlorenseins noch verstärke.

Noch lieber aber stellt "Neon" Fragen in den Raum, ohne sie wirklich zu beantworten, dafür mit lobenswertem Mut zur Lächerlichkeit. "Schweigen wir gemeinsam - oder haben wir uns einfach nichts mehr zu sagen?", heißt es etwa im aktuellen Blatt, das auch einen Vorabdruck aus einer neuen "Neon"-Lebensfibel über die "14 großen Fragen" aller Menschen enthält, Titel: "Planen oder treiben lassen?"

Natürlich gibt es spätestens seit Erfindung der Kindheit im 18. Jahrhundert am Ende der Adoleszenz in der Entwicklung der meisten Menschen eine Phase der Unentschiedenheit, des Suhlens und Treibenlassens im Ungewissen, der zögerlichen Weltbeschau. Erstaunlich ist nur, dass sich diese Phase im Leben vieler Menschen offenbar immer weiter ausdehnt.

(...) - WOLFGANG HÖBEL im Spiegel 25/2009

Bashing der jungen Elite und ihrer Lektüre in einem. Wie hätte es pointierter dargestellt werden können? Zum ganzen Text: hier.

Denn sie wissen nicht 2

Ich habe einen wunderbaren Artikel über das Studium der Geisteswissenschaften auf neon.de gefunden. "Yeezabel" schreibt wunderbar über ihren Alltag und ihre Zukunftsvorstellungen. Die neon.de Community ist sowieso zu empfehlen:

Zu bedenken gebe ich auch, dass ich mir sehr regelmäßig die Haare wasche und mir die Beine rasiere, was mich kategorisch aus der elitären Riege der Philosophen ausschließt. Man könnte meinen, dass ich nur Philosophie studiere, weil mir nichts gemeineres eingefallen ist, um mich an meinen Eltern und deren Moral- bzw. Karrierevorstellungen zu rächen. So manch einer sagt auch, dass es zu mir passt, also dieses Studium. Ich sei ja schon von Anbeginn an recht redefreudig gewesen, und im Lesen war ich auch schon immer ganz toll, was mich augenscheinlich für ein Germanistikstudium prädestiniert. "Laberfächer" halt.

[...]

Abgesehen davon macht es mich wenigstens interessant, wenn ich auf Partys sage, dass ich Künstlerin, gar Schriftstellerin sei. Das hat was zartes, aber auch rebellisches. Männer scheinen es zu mögen, wenn Frauen nicht den Hauch einer Chance auf Selbstversorgung haben.

Ich habe mich gegen den Weg der gängigen Normen entschieden. Ich schmeiße weder mit Steinen, noch wähle ich die CDU. Weder ernähre ich mich makrobiologisch, noch liebe ich Sushi. Ich spiele keine Gitarre am Lagerfeuer, zähle die Sterne am Firmament oder träume von einer Festanstellung bei der Deutschen Bank. Ich habe die Band nicht zuerst gehört, geschweige denn habe eine eigene.

[zum ganzen Text] [via twitter]

Ich mag Geisteswisschenschaftler, auch wenn sie zu einer unendlichen Planlosigkeit und Naivität neigen. Mit wem ich mich allerdings noch nicht anfreunden konnte, sind die Lehrämtler. Ein schwieriges Volk, die erst recht nicht wissen, was sie wollen. Und wenn doch, dann hat es mit Kindern und Bauernhöfen zu tun. Wenn ich ehrlich bin, wäre ich auch gerne ab und zu ein Geisteswissenschaftler. Keine Veranstalltung vor 10 Uhr, morgens mit der Zeitung im Kaffee sitzen, Abends über Weltpolitik sinnierend im Park grillen.

Wenn ich Abends in der Woche was trinken, ins Kino oder zu einem Konzert gehen will, sind es fast ausschließlich meine Geisteswissenschaftler-Freunde die mit mir kommen. Vielleicht auch besser so.  Soviel zu meinen Vorurteilen.

SGINT 0

Am 22. bis 24. Mai 2009 findet im Kölner Mediapark die SIGINT09 statt, eine neue Veranstalltung des CCC zum Thema Überwachung, Kontrolle, Hacks und Zukunftsvisionen. Am besten gleich in den Kalender eintragen. http://events.ccc.de/sigint/2009/wiki/Hauptseite

sigint-flyer-front

Happy new year 1984! 0


[by ccc]

Nackt am Flughafen 0

Der Überwachungswahn nimmt tatsächlich mittlerweile inquisitorische Züge an. Zukünftig soll auf den Flughäfen ein sogenannter "Nacktscanner" zum Einsatz kommen. Das ist keine James Bond Phantasie sondern laut sueddeutsche.de bereits an einigen ausländischen Flughäfen Realität.

Zu dem wirklich sehr guten Artikel geht es hier.

//UPDATE: "Unfug" - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble lehnt die umstrittenen Nacktscanner ab. Die Geräte sollen an deutschen Flughäfen nicht verwendet werden. [weiterlesen]

Zuviel GEZahlt? 0

Für die Rundfunkgebührenpflicht auf internetfähige "neuartige Empfangsgeräte" sieht es immer schlechter aus. Wieder hat ein Gericht entschieden, "dass der private Besitz eines internetfähigen Computers allein nicht automatisch für den Einzug von Rundfunkgebühren herangezogen werden kann". Ein interessanter Schritt wenn man bedenkt, dass man seither nur ein TV-Gerät besitzen muss, selbst wenn es unangeschlossen auf dem Dachboden steht, um für Gebühren herangezogen werden zu können.

Das Verwaltungsgericht schlug sich auf die Seite des Klägers und stützte sich dabei just auch auf die jährliche Online-Studie von ARD und ZDF zum Nutzungsverhalten. Demnach hätten im Jahr 2007 nur 3,4 Prozent der "Onliner" und 2,1 Prozent der Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren täglich Netzradio eingeschaltet. [heise]

Ich halte die gesamte Gebührenpolitik sowieso für äußerst ungerecht und auch nicht gerechtfertigt. Vor allem wenn man sich die Formate der öffentlich rechtlichen Sender anschaut, mal ganz abgesehen davon, dass sowieso kaum jemand "GEZ zahlt". Ich bin für eine "Rundfunksteuer", die pauschal von jedem gezahlt werden muss. Die könnte dadurch niedriger sein und vor allem könnte das Geld für die GEZ-Agenten und unsinnigen Fernsehspots eingespart werden.

Es spitzt sich zu 0

Nach FR-Informationen hatte ein Journalist, der von der Telekom bespitzelt wurde, jahrelang ein E-Plus- Handy. Sollte die Telekom ihn umfassend überwacht haben, müsste sie sich demnach auch der Daten eines anderen Telekommunikationsunternehmens bedient haben. "Bei uns ist keine Anfrage von der Telekom eingegangen", sagt E-Plus-Sprecher Guido Heitmann, "aber zu Abrechnungszwecken müssen wir Daten an die Telekom liefern." Dies geschehe jeden Tag millionenfach. Da ein Großteil der Telefonate in Deutschland das Netz der Telekom berühre, bekomme die Telekom zur Abrechnung auch fast alle Daten.

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"Konkret geplant und beauftragt" sei auch die Überwachung einer "nicht unwichtigen Regulierungsbehörde mit Sitz in Bonn" gewesen, schrieb der Geschäftsführer der Firma Network Ende April an die Telekom. Die Projekte seien "direkt vom Vorstand beauftragt" und über das Büro des Aufsichtsrats bezahlt worden, heißt es in dem Schreiben, das der FR vorliegt. Bei der Bundesnetzagentur weiß man nichts von dem angeblichen Plan, die Aufsichtsbehörde auszuspähen. Es lägen dazu keine Informationen vor", sagte eine Sprecherin [fr-online via fefe]

Schulkino 3

Ich habe mir "Die Welle" mit Jürgen Vogel und Christiane Paul angesehen und war begeistert. Ein absolutes Muss! Richtig gut, schaut ihn euch an!
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Verklemmt? 1

Charlotte Roche tourt zur Zeit wieder durch die Lande. Diesmal nicht um aus Dissertationen über Penisverletzungen, verursacht durch Staubsauger, vorzulesen, nein, sie hat ein Buch geschrieben. Es heißt „Feuchtgebiete“ und behandelt in schillernden Farben alles was mit Sex, Körperöffnungen und jeglicher Art von Körperflüssigkeiten zu tun hat. In Interviews äußert sie, dass sie auf die Hemmungen von Frauen über solche Themen zu reden, eingehen will. Bei Jetzt.de sagt sie: „Ich werde ein immer größerer Fan von Männern“. Männer würden viel offener mit ihrer Sexualität und ihren Phantasien umgehen. Für Männer wäre es, im Gegenteil zu Frauen, überhaupt kein Problem untereinander über solche Themen ganz offen zu sprechen.

Ich habe andere Erfahrungen gemacht. Natürlich wird unter Männern über Frauen geredet. Manchmal sogar über Beziehungen. Aber den sexuellen Details oder den persönlichen Vorlieben wird sich dabei eigentlich nie über generell qualitative Aussagen hinaus zugewandt. Ganz anders, als ich es bei vielen Frauen erlebt habe. Natürlich wird auch da nicht auf jede Einzelheit eingegangen, aber die Detailiertheit ihrer Darstellungen hat mich teilweise sehr überrascht und überrascht mich immer wieder. Viele Frauen wissen Dinge über andere Frauen und deren Sexpartner, an denen ich nie jemanden anderen teilhaben lassen würde. Ich muss aber auch ganz ehrlich sagen, dass ich über diese Dinge eigentlich gar nicht so sehr Bescheid wissen will. Nicht etwa weil ich Hemmungen oder Ekel habe, sondern weil es mich a) nicht wirklich interessiert und b) es sich dabei um, meiner Meinung nach, sehr persönlich Sachen handelt. Schließlich gibt derjenige nicht nur sehr viel von seiner Intimsphäre sondern auch der Intimsphäre seines Partners frei, wenn er vorbehaltlos erzählt. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich so etwas um Gottes Willen auf keinen Fall hören will. Wenn der Drang besteht, kann mir von mir aus jeder erzählen was er will. Man soll dann nur nicht erwarten, dass ich genauso freizügig bin.

Es ist eine Zeit. 2

Steuerhinterziehung, Korruption, Manipulation, Absprachen, Spionage, Gegenspionage.

"In einer blockierten Gesellschaft, wo jeder schuldig ist, ist es das einzige Verbrechen, sich erwischen zu lassen. In einer Welt der Diebe ist Dummheit die einzige unverzeihliche Sünde." - Fear and Loathing in Las Vegas (Hunter S. Thompson, 1971)

Und da wir schonmal bei Hunter S. Thompson sind: In den 70er Jahren beschäftigte er sich verstärkt mit der Politik und kandidierte 1970 als Sheriff in Aspen, Colorado.

Vor einer Wahlrede ließ er sich eine Glatze scheren, um dann seinen republikanischen Gegenkandidaten als "langhaarigen Hippie" zu bezeichnen. [wiki]

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