Wie schon des Öfteren an dieser Stelle erwähnt, möchte ich jedem wärmstens ans Herz legen, sich „Ghost of Tom Joad“ live anzusehen. Wenn die Band aus Münster schon so ausschweifend tourt und die Karten mehr als bezahlbar sind, kann man sich das Ganze auch mal in einer Stadt in seiner nähe antun. Und da ich das auch so meine und nicht nur so vor mich hinplappere, war ich am Donnerstag im Postbahnhof am Ostbahnhof in Berlin um dem Spektakel zum dritten Mal beizuwohnen. Die Jungs aus Münster spielten da nämlich als Vorband der „Kilians“ aus Dinslaken, die dem ein oder anderen aus Funk und Fernsehen vielleicht ein Begriff sein sollten (When will I ever get home).
Als ich in der etwas einer Fabrik ähnelnden Konzerthalle ankam und mein Ticket gekauft hatte, war ich zuerst etwas überrascht. Fast ausschließlich 15jährige Mädchen in Chucks und Röhrenjeans mit „Kill the Kilians“-Tshirts bevölkerten den Saal. Da ich bis auf das eine Lied aus dem Radio nichts von den „Kilians“ kannte, befürchtete ich schon mich auf eine Bravo-Teenie-Show einstellen zu müssen. Ich wurde aber eines besseren belehrt.
Zuerst spielte die erste Vorband, deren Namen ich mir nicht gemerkt habe, was auch nicht schlimm ist. Die Musik war mittelmäßig und die fünf jungen Herren auf der Bühne waren wohl die best-frisiertesten im ganzen Stadtteil. Einzig und allein die Richtung, in die ihre Scheitel gekämmt waren unterschieden sich voneinander. Sie trugen alle schwarze Hosen, weiße Hemden mit schmalen schwarzen Krawatten und fühlten sich wohl richtig cool. Bemerkenswert ist allerdings eine selbst aus dem Zuschauerraum deutlich spürbare Spannung zwischen der Band und ihrem zweiten Gitarristen. Zwischendurch hatte der Schlagzeuger Probleme mit seinem Pedal, was den erwähnten Gitarristen dazu bewog ein Sololied zu spielen und zu singen. Das schien der Rest der Band aber nicht so gut zu finden. Am Ende verabschiedete sich die Band mit ihrem letzten Lied um dann fest zu stellen, noch ein Lied auf der Setlist zu haben. Sehr peinlich und schräg, aber alles nicht weiter erwähnenswert.
Dann kamen „Ghost of Tom Joad“ auf die Bühne, zu denen ich aber schon viel geschrieben habe. Die Band selbst schien auch etwas amüsiert über das ungewohnt junge Publikum, lieferte aber eine souveräne Show ab, auch wenn ich sie in Köln noch einen Tick besser fand.
Nach langer Umbaupause und nervigem Gewarte kamen dann gegen 22:30 die „Kilians“ auf die Bühne. Alle mit scheinbar frisch angezündeter Zigarette (im Publikum war Rauchverbot) deponierten sie erstmal jeweils zwei Becks und zwei RedBull auf ihren Verstärkern. Das hatte alles auf mich verbunden mit dem Teeniegekreische einen sehr Pseudo-Pete-Doherty-Charakter und ich war gespannt was nun kommen würde. Ich wurde überrascht: Durch das musikalische Können, verbunden mit einem charismatischem Sänger war ich nach dem ersten Song absolut überzeugt. Wunderbare Musik und eine gute Show die, als der Sänger eine Mundharmonika hervor nahm, ihren Höhepunkt erreichte. Richtig gut und absolut unerwartet.